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© Kurt Mühlenhaupt Museum

Das Leben des Kurt Mühlenhaupt

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1921 - 1933
Kurt Mühlenhaupt wird am Sonntag, den 19. Januar auf der Eisenbahnfahrt von Prag nach Berlin geboren. Die Familie lebt in einer Laubenkolonie in Berlin-Tempelhof. Schon als Kind malt er Tiere für seine Freunde.

1935 - 1944
Es folgt eine Lehre als Modellbauer, danach die Fallschirmjägerausbildung und Kriegseinsatz in Narvik(Norwegen). Beim Absprung über Kreta wird sein linkes Handgelenk durchschossen, er malt während der Krankenhausaufenthalte, besucht für ein halbes Jahr eine private Kunstschule. Als Krüppel wird er im letzten Kriegsjahr wieder eingezogen, diesmal nach Nordafrika. Dort überlebt er nur mit Glück, eine Granate zerfetzt sein linkes Fersenbein.

1946 - 1949
Er studiert an der Hochschule für Bildende Künste bei Maximilian Debus und nimmt 1946 mit großem Erfolg an der Ausstellung „Junge Generation“ teil. Nachdem ihm Schmidt-Rottluff jede künstlerische Fähigkeit abgesprochen hat, erfolgen ein psychischer Zusammenbruch und ein langer Klinikaufenthalt in der Psychiatrie.

1950 - 1956
1953 heiratet er Frieda Conrad, die Tochter Christine kommt zur Welt. Zum Lebensunterhalt züchtet er für den Berliner Zoo Mäuse und Istantreenwürmer. Er lernt Otto Nagel kennen, flieht aber bald darauf nach West-Berlin, nachdem ihn die Stasi als Informanten erpressen will. Dort ist der Anfang schwer. Kurt Mühlenhaupt arbeitet als Schweinezüchter, Kartoffelschalenbimmler und Leierkastenmann.

1958 - 1962
Die Familie zieht nach Kreuzberg und betreibt in der Blücherstraße 13 einen Trödel. Dort stellt er seine Bilder zwischen Serienstanduhren und Silberlöffeln aus. Die ersten Käufer sind Schriftsteller und Maler. Er eröffnet den Leierkasten, eine Künstlerkneipe, in der sich bald die Westberliner Boheme trifft. Regelmäßig finden Kunstausstellungen statt. Die Wirtin bringt seinen Sohn Carol zur Welt. Mühlenhaupt lebt mehrere Monate in Paris und Südfrankreich, lernt Picasso kennen, besucht Spanien, Italien und Moskau.

1963 - 1969
Eine Werkstatt wird eingerichtet, um für „kleine Leute“ Graphik zu erschwinglichen Preisen zu drucken. Handpressenbücher entstehen, er gibt Biertrinkerblätter heraus. In einer Ausgabe untersucht er, ob Jesus schwul war und wird daraufhin wegen Gotteslästerung verurteilt. Vor seiner Trödelhandlung veranstaltet er den ersten Bildermarkt, der sich bald zum Kreuzberger Kunstmarkt erweitert. Eine erste Ausstellung im Berliner Kunstkabinett wird zum Erfolg. Seitdem kann Mühlenhaupt ausschließlich von seiner Kunst leben.

1970 - 1974
Das Atelier wird an den Chamissoplatz verlegt. Es entsteht eine enge Bindung an die Ladengalerie, dort schließt er Freundschaft mit Johannes Grützke und Mathias Köppel. Aldona Gustas gründet mit Günter Grass, Wolf-Dieter Schnurre, Wolfgang Schnell und Kurt Mühlenhaupt die Gruppe „Malerpoeten“. Es folgen zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland.

1975 - 1980
Er wird in Kreuzberg zum dritten Mal wegsaniert und kauft einen Bauernhof in Berlin-Kladow. Nach langer und schwerer Krankheit entsteht sein erster Passionszyklus. Die ersten Du-Du Zwerge werden erschaffen. Kurt Mühlenhaupt modelliert den großen Feuerwehrbrunnen am Mariannenplatz, entwirft Mosaiken für das Stadtbad im Wedding und gewinnt einen internationalen Wettbewerb für Bilder im ICC.

1981 - 1994
Er lernt seine neue Lebensgefährtin Hannelore Frisch kennen und unternimmt mit ihr, getrieben von unstillbarem Fernweh, Reisen nach Frankreich, Italien, Spanien und Portugal. Sie leben mehrere Monate in New York; malen in der damals noch abgegrenzten DDR, erforschen die Mark Brandenburg und schließen dort Freundschaften mit Malern, Schauspielern und Schriftstellern. Irgendwann verliebt er sich in das Tal Montes de Cima in der Algarve und baut ein Haus am See. Dort leben und arbeiten die beiden in jedem Jahr mehrere Monate.

1995 - 2006
Nach dem Fall der Mauer retten die beiden ein heruntergekommenes Barockensemble in Bergsdorf und bauen die Ruinen in 10 Jahren zum Museum aus. Ein altes Kriegsleiden bricht wieder auf, der Meister liegt zwei Jahre im Bett und beginnt mit seinen Memoiren.
Es folgt die Heirat mit seiner Spätverlobten Hannelore Frisch. Erste Anzeichen einer beginnenden Augenkrankheit stellen sich ein. Dennoch malt er unverdrossen weiter bis er beinahe vollständig erblindet ist. Große Landschaftsbilder, Portraits von Menschen aus dem Dorf und ein großer Wiedervereinigungszyklus entstehen. Mit eisernem Willen überwindet er Herzinfarkt und Prostatakrebs. Seine Schaffenskraft ist ungebrochen. Er stirbt am Ostersonntag in seinem Haus in Bergsdorf.

Nachruf aus der Berliner Zeitung

Der ersten Einzelausstellung im Berliner Kunstkabinett folgten in den nächsten Jahren unzählige Ausstellungen in Deutschland, Europa und Übersee. Im Besonderen sind die großen Retrospektiven zu nennen:

1981 - Kunsthalle Berlin
1991 - Otto-Nagel-Haus Nationalgalerie Berlin
2001 - Stiftung Stadtmuseum in der Nicolaikirche Berlin
2006 - Käthe-Kollwitz-Museum und Berliner Dom
2011 - Saarländische Galerie Berlin

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