Laufzeit:
08.03.–24.05.2026
Eintritt:
Frei!

Krieg in Gedächtnis und Alltag der Ukraine

Die Ausstellung verbindet zwei Arbeiten von Mila Teshaieva, die beide den Krieg in der Ukraine thematisieren. Den gegenwärtigen Krieg seit 2022 und das, was die Menschen an Erinnerungen des Zweiten Weltkriegs von ihren Großeltern übernommen haben:

Als der Krieg 2022 in der Ukraine ausbrach, reiste die in Berlin lebende Fotografin Mila Teshaieva in ihre Heimatstadt Kyjiw Sie wollte diesen dramatischen historischen Moment für ihr Land und Europa miterleben und festhalten: Von den ersten Kriegstagen im März, als russische Truppen Kyjiw einzukesseln versuchten und die Menschen in Panik flohen, bis zu den letzten Apriltagen, als die erdrückenden Folgen der Kriegsverbrechen in der gesamten Region um Kyjiw entdeckt wurden. Mila Teshaieva blieb in der ganzen Zeit vor Ort, half und begleitete ihre Landsleute, die Kamera immer dabei. Das dabei entstandene Tagebuch "Splitter des Lebens" enthält sehr eindrückliche, intime Aufzeichnungen ihrer Erlebnisse in den ersten Kriegsmonaten in Bild und Wort.

Für ihre Serie „Unfamiliar Memories“ lud Teshaieva Menschen in der Ukraine ein, Erinnerungen ihrer Großeltern aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und der darauf folgenden Sowjetzeit nachzustellen. Die Begleittexte zu den einzelnen Fotos sind Zitate dieser Personen, die über die jeweiligen Erinnerungen reflektieren, die sie für Teshaievas Kamera nachgestellt haben. Es handelt sich um ein beeindruckendes Werk, das historische und nationale Erinnerung als Konstrukt persönlicher Erzählungen und nicht als kollektiv erzeugte Visionen untersucht.

Splitter des Lebens. Ein Ukraine-Tagebuch

Mila Teshaieva

Das Werk der in Kyjiw geborenen Künstlerin, Filmemacherin und Fotografin setzt sich mit nationalen Erinnerungen und kollektiven Identitäten in den Regionen des ehemaligen Ostblocks auseinander.

Immer wieder begibt sie sich auf die Suche nach Orten und Geschichten und stellt dabei zentrale Fragen: Was wird erinnert, was wird verschwiegen? Welche Identitäten entstehen daraus? Woher kommen wir – und wer sind wir?

Die mehrfach preisgekrönte Fotografin lebt seit 2010 in Berlin.

Splitter des Lebens: Ein Ukraine-Tagebuch

FUTURE MEMORIES von Mila Teshaieva

Als russische Truppen am 24. Februar 2022 die Ukraine angriffen, reiste Mila Teshaieva in ihre Heimatstadt Kyjiw. Sie wollte diesen historischen Moment nicht aus der Ferne verfolgen. Sie wollte dabei sein – bei den Menschen, die sie kannte, in der Stadt, in der sie aufgewachsen war.

Sie blieb. Von den ersten panischen Märztagen, als Panzerkolonnen die Hauptstadt einzukesseln versuchten und die Menschen flohen, bis in den April, als die Welt erfuhr, was in Butscha geschehen war. Alles, was sie in diesen Wochen erlebte, hielt sie fest: in Fotografien und in Worten. So entstand ein Tagebuch – intim, eindringlich, ohne Distanz.

Die Bilder zeigen keine Fronten. Sie zeigen das Leben dahinter: eine Frau, die in einer leergefegten U-Bahn-Station wartet. Kinder, die Schutz suchen. Nachbarn, die einander helfen. Straßen, die noch vor Kurzem belebt waren und nun verstummt sind. Teshaieva wollte nicht den Krieg dokumentieren – sie wollte zeigen, was der Krieg mit Menschen macht. Mit Körpern, mit Blicken, mit Alltagen, die von einem Tag auf den anderen zerbrachen.

„Aus einem bunten Leben ist ein Leben in schwarz-weiß geworden", sagte Teshaieva damals. Und doch: In ihren Fotografien schimmert immer wieder etwas durch, das sich der Zerstörung widersetzt – Verbundenheit, Entschlossenheit, die unerschütterliche Würde von Menschen, die weitermachen, weil sie keine andere Wahl haben und weil sie wählen, weiterzumachen.

Das Tagebuch wurde im Sommer 2022 erstmals im Museum Europäischer Kulturen Berlin gezeigt. Das Kurt Mühlenhaupt Museum präsentiert Teile davon in der Ausstellung „Future Memories" – vier Jahre nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges, dessen Ende noch immer nicht in Sicht ist.
„Splitter des Lebens“ ist kein Anklagedokument. Es ist ein Zeugnis. Und eine Einladung, genau hinzusehen – auf Menschen, deren Geschichte erzählt werden muss, weil sie sonst im Lärm des Krieges untergeht.

Vernissage der Ausstellung FUTURE MEMORIES mit Fotografien von Mila Teshaieva